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Reisebericht Island: Das Land der vielen Kontraste

Einmal rund um die Insel

In einem zehn tägigen Urlaub nahmen wir uns vor Island auf der berühmten Ringstraße einmal zu umrunden. Schon bei der Planung unserer Route wurde uns klar, dass die kleine Insel doch wesentlich mehr zu bieten hat, als wir erwartet haben. Während uns Freunde also schockiert fragten, was wir denn zehn Tage auf der Insel wollen, zweifelten wir daran, ob zehn Tage denn überhaupt genug waren, um wirklich so viel wie möglich zu sehen.

Anfang September landeten wir also in Reykjavík, der Hauptstadt von Island. Wir legten unseren Urlaub bewusst in den September. Zum einen sind zu dieser Zeit die Temperaturen auf der Insel noch sehr angenehm, zum anderen sollten die Polarlichter auf jeden Fall ein Highlight unserer Reise werden. Und die Wahrscheinlichkeit diese zu Gesicht zu bekommen ist nun mal im September am höchsten.

Reykjavík und der Aufbruch in den Norden

Die erste Nacht verbrachten wir in Reykjavík. Trotz unserer geplanten Tour durch die isländische Landschaft wollten wir uns die bekannten Sehenswürdigkeiten der Hauptstadt natürlich nicht entgehen lassen. So besichtigten wir am nächsten Tag zunächst die berühmte Hallgrimskirche, welche mit beeindruckenden 75 Metern das zweithöchste Gebäude und Wahrzeichen des Landes ist. Auch dem Perlan, einem Warmwasserspeicher, statteten wir einen Besuch ab. Dieser lohnte sich meiner Meinung nach besonders, weil die auffallende Glaskuppel uns eine kostenlose Rundumsicht auf die Stadt ermöglichte.

Reisebericht IslandAnschließend machten wir uns mit einem gemieteten Auto auf den Weg in den Norden. Da Reykjavík im Südwesten des Landes liegt, befuhren wir die Ringstraße also im Uhrzeigersinn. Nach anderthalb Stunden erreichten wir den Ort Reykholt. Nicht nur die heißen Quellen, die hier an verschiedenen Stellen aus der Erde quollen, sondern auch die Wasserfälle Hraunfossar und Barnafoss, die sich im Gebiet um Reykholt befinden, machten unseren ersten Kontakt mit der isländischen Natur unvergesslich. Wie der Name sagt, schienen die Hraunfossar auf einer Länge von 700m in unzähligen kleinen Wasserfälle schäumend und sprudelnd aus dem schwarzen Gestein des Lavafeldes zu strömen.

Die Halbinsel Snæfellsnes

Am nächsten Tag führte unser Weg ganz in den Westen der Insel, auf die Halbinsel Snæfellsnes. Diese befuhren wir im Norden um kamen zunächst an der Gemeinde Stykkishólmur vorbei. Faszinierend ist hier vor allem die neue Kirche, die sich durch ihren modernen Baustil deutlich von den traditionellen isländischen Gebäuden abhebt. Nach einem kurzen Aufenthalt in der Gemeinde Grundarfjörður erreichten wir schließlich den beliebten Fischerort Arnarstapi. Er liegt auf der Südseite des Stratovulkans Snæfellsjökull und verfügt über eine auffallend erodierte schwarze Steilküste. Wie es uns empfohlen wurde, nahmen wir an einer 5 stündigen organisierten Wandertour auf den Gletscher am Gipfel des Berges teil. Bis an den Gipfel durften wir aufgrund der Wetterbedingungen nicht, was wir dann aber auch nicht allzu schlimm fanden, weil es auch auf dem Weg dorthin schon sehr kühl und nebelig wurde. Mit schmerzenden Füßen machten wir uns also wieder auf den Rückweg und ließen uns für die Nacht in einer kleinen Unterkunft des Ferienortes unter.




 

Die Kirche mit dem Grasdach

Unser dritter Tag auf der Insel begann mit der wohl längsten Fahrt unserer Reise. Obwohl der Nordosten ebenfalls viel Sehenswertes bietet, entschieden wir uns bei der Planung unserer Reise das größtenteils unbewohnte Gebiet aus Zeitgründen auszulassen. Erst nach fast fünf Stunden Fahrt, auf der wir die Landschaft aber genauso gut genießen konnten, legten wir unsere erste Pause in  Varmahlíð ein.  Die Víðimýrarkirkja in diesem Ort ist eine der wenigen verbliebenen Torfkirchen im Lande. Sie steht exemplarisch für die Bauweise im 19. Jahrhundert und ist noch sehr gut erhalten. Durch den Mangel an Holz entschloss man sich in der damaligen Zeit Torf und Gras zu verwenden, was nun auf dem Dach der Kirche wuchs und irgendwie sehr lustig aussah.

Kurz nach Varmahlíð verließen wir die Ringstraße und wählten die Abzweigung gen Norden. In Hólar besichtigten wir die einzige barocke Sandsteinkiche Islands, bevor wir uns schließlich eine Unterkunft in Siglufjörður suchten. In der schönen Hafenstadt statteten wir natürlich auch dem Heringsmuseum einen Besuch ab, welcher sich als wesentlich interessanter herausstellte als der Name des Museums vermuten lässt.

Eine Großstadt im Norden?

Reisebericht IslandWir fühlten uns in der wunderschönen Heringsfängerhochburg so wohl, dass es uns am nächsten Tag sehr schwer fiel den kleinen Ort zu verlassen. Gegen Mittag machten wir uns jedoch wieder auf den Weg zur Ringstraße. Der nette Besitzer unserer Unterkunft gab uns schließlich noch den Tipp, einen kurzen Stopp im nahegelegen Laufás einzulegen. Aufgrund kleiner Verständigungsschwierigkeiten konnten wir uns nicht viel darunter vorstellen und ließen uns somit einfach überraschen. Wir fuhren vorbei an einer kleinen gemütlichen Holzkirche und kamen schließlich auf einen Bauernhof, der aus vielen kleinen Torfhäusern bestand. Obwohl das typische isländische Torfgehöft längst nicht mehr bewohnt ist, war es noch so eingerichtet wie zu der Zeit seiner letzten Bewohner. So besichtigten wir neben Schlaf- ,Wohnzimmer und Küche auch noch einen alten Webraum sowie Gästezimmer und Geräteraum.

Nur 30 km entfernt wartete Akureyri auf uns. Da wir in den letzten Tagen genug im Auto saßen, gaben wir uns mit der kurzen Strecke, die wir an diesem Tag zurückgelegt haben, zufrieden und entschieden uns, den restlichen Tag in der viertgrößten Stadt Islands zu verbringen. Neben all den kleinen Fischerdörfchen, die wir in den letzten Tagen passiert hatten, kam uns die Stadt trotz seiner 18.000 Einwohner wie eine richtige Großstadt vor. Das wohl auffallendste Gebäude der Stadt ist die moderne Akureyri-Kirche, die man erst durch eine lange Treppe erreicht. Hat man diese jedoch erst einmal bezwungen, hat man einen wunderschönen Ausblick über die Stadt. Den restlichen Tag verbrachten wir in der Fußgängerzone der Stadt, für die Akureyri ebenfalls bekannt ist.

Polarlichter am Mývatn

Schon am nächsten Morgen war ich ein wenig aufgeregt. Unsere Route sollte uns an diesem Tag zu dem Ort führen, zu welchem oft Polarlichter-Touren angeboten werden. Meine Enttäuschung, falls wir nicht in den Genuss kommen sollten, wollte ich mir zu der Zeit überhaupt nicht ausmalen. Der Weg nach Mývatn führte aber zunächst an dem berühmten Goðafoss Wasserfall vorbei. Beim Anblick der gewaltigen Wassermengen musste ich zuerst an die Niagarafälle denken, die mit diesen meiner Meinung nach große Ähnlichkeit haben. Aufgrund der unzähligen spektakulären Naturschauspiele, die Island zu bieten hatte, ärgerte ich mich bereits hier darüber, dass mich jede einzelne Sache nicht mehr ganz so leicht beeindrucken konnte wie am Anfang.

Reisebericht IslandNur eine halbe Stunde entfernt lag Mývatn – mir ist bis heute noch nicht ganz klar, ob es sich bei dem Namen um ein Gebiet, den Ort oder dem gleichnamigen See handelte. In der Umgebung des Sees findet man zahlreiche Spuren vergangener und durch häufige Ausbrüche auch gegenwärtiger Vulkanität. Südlich des Sees besuchten wir die Grjótagjá, einer ehemaligen Badegrotte und unterirdische heiße Quelle, die oberhalb der Verwerfungsgrenze zwischen der amerikanischen und eurasischen Kontinentalplatte. Zwar sind die Temperaturen des Wassers in den letzten Jahren wieder etwas gesunken, allerdings ist das Baden aufgrund loser Felsbrocken in der Höhle leider immer noch verboten. Anschließend kehrten wir pünktlich zu unserer Unterkunft zurück und warteten ungeduldig auf den Abend.

Einige Stunden vergingen und dann zeigte sich endlich das traumhafte Himmelschauspiel. Leuchtend grüne Farben schimmerten am Horizont. Schon als Kind war ich fasziniert von einem Foto, auf dem das Naturspektakel zu sehen war und jetzt konnte es jetzt immer noch kaum fassen wirklich live dabei gewesen zu sein.

Auf den Spuren der Wale

Unsere Tour führte weiter in den Norden nach Húsavík, eine kleine Stadt an der nördlichen Küste Islands. Dort klärte uns das Walmuseum über die Geschichte des isländischen Walfangs, Walbeobachtungen und auch Walstrandungen auf. Zahlreiche Skelette unterschiedlicher Wale veranschaulichten dies. Da Húsavík als den internationalen Beruf als Walbeobachtungshauptstadt hat, nahmen wir anschließend auch an einer solchen Waltour teil. Für umgerechnet 73€ pro Person buchten wir bereits von zu Hause aus die GG1 Whale Watching Tour, welche noch die günstigste Möglichkeit war, Wale zu sehen. In einer Zeit von ungefähr drei Stunden sahen wir neben vielen Minkwalen und Delfinen auch einen Buckelwal, der mir durch seine riesige Gestalt zunächst einen ordentlichen Schrecken einjagte. Die Wahrscheinlichkeit an der Küste um Húsavík sogar einen Orka oder Blauwal zu sehen, soll auch gar nicht mal so gering sein. Dieser Anblick blieb uns jedoch leider erspart.

„Der Ort mit der hübschen blauen Kirche“

Reisebericht IslandAm nächsten Tag fuhren wir die Straße zurück Richtung Mývatn und nur wenige Kilometer entfernt lag der sogenannte Pass Námaskarð. Aus riesigen Kratern im Boden, deren dampfende Schwefelquellen fast 100 Grad heiß sein sollen, stieg starker Schwefelgeruch empor. Unser nächstes Ziel war der Wasserfall Dettifoss, wofür wir die Ringstraße nur kurz verlassen mussten. Obwohl wir nun wirklich schon genug Wasserfälle gesehen hatten, konnten wir auch auf diesen Anblick nicht verzichten. Er gilt nämlich als der leistungsstärkste Wasserfall Europas und produziert genug Energie um eine kleine Stadt zu versorgen. Der Parkplatz, auf dem wir unser Auto stehen lassen mussten, lag ungefähr 10 min von dem Wasserfall entfernt. Doch schon von da hörten wir das Rauschen der gewaltigen Wassermengen, was natürlich auf dem Weg dorthin alles andere als schwächer wurde.

Unsere Nacht verbrachten wir im dem „Ort mit der hübschen blauen Kirche“, so wie wir ihn in Erinnerung behielten. Neben dieser hat Seyðisfjörður noch viele gut erhaltene Holzhäuser aus dem 19. Jahrhundert, die durch ihre farbenfrohen Dächer ein malerisches Bild abgeben.

Und noch mehr Wasserfälle…

Mittlerweile hatten wir den Nordosten Islands erreicht und machten uns weiter auf den Weg in den Süden. Nachdem wir auf dem Weg auch hier noch den Litlanefoss und den Hengifoss besichtigt hatten, entschieden wir uns dazu die nächsten zu überspringen, auch wenn die Beschreibungen auch noch so verlockend klingen. In zwei Tagen wollten wir schließlich wieder in Reykjavík sein und neben Wasserfällen gab es auf dem Weg noch einiges zu sehen. Vor uns lag der größte Gletscher Europas, der Vatnajökull. Wir hielten in der Stadt Höfn und bereiten uns auf ihn mit einem Besuch im Gletschermuseum vor. Ich glaube, diese ist sogar schon die Hauptattraktion der Stadt.

Vatnajökull- der größte Gletscher Europas

So führte unser Weg am nächsten Tag zum See Jökulsárlón, welcher mit knapp 250m als tiefster See Islands gilt. Auf ihm treiben mehrere Eisberge, die in dem strahlenden Sonnenschein schimmerten. Auf dem Weg in den Süden hatten wir von der Ringstraße aus einen schönen Blick über die großen Talgletscher Skaftafellsjökull und Öræfajökull. Auch sie kommen vom Vatnajökull. Obwohl uns schon bald Schilder zu dem berühmten Svartifoss Wasserfall führten, zwangen wir uns diese zu ignorieren und der Ringstraße nach Süden zu folgen, bis wir das südliche Vík í Mýrdal erreichten. Die Stadt war der erste Küstenort, der keinen Hafen besaß. Dafür gilt der schwarze Lavastrand hier aber als einer der schönsten Strände der Welt, was wir nur bestätigen konnten.

Der Goldene Circle

Reisebericht IslandDa sowohl der Skógafoss Wasserfall, als auch der Seljalandsfoss und Gljúfrafoss Wasserfall alle direkt an der Ringstraße lagen, konnten wir es uns am nächsten Morgen doch nicht nehmen, kurz auszusteigen um ein paar Fotos zu schießen. Ohne weitere Pause fuhren wir schließlich etwas ins Landesinnere um eine der bekanntesten Touristenattraktionen Islands zu besichtigen. Die Wasserfontäne des Geysir Strokkur schoss wirklich wie angekündigt alle 5-10 min ungefähr 20 Meter in die Luft. Ohne künstliche Eingriffe ist so ein Phänomen in freier Natur wirklich beeindruckend. Ebenfalls zum Goldenen Circle gehörten in der nahen Umgebung der Gullfoss und das Þingvellir. Während es sich beim Gullfoss wieder um einen Wasserfall handelte, bei dem der Gletscherfluss Hvítá in eine enge Schlucht stürzt und den Wasserfall durch viele Regenbogen, die sich in der Sonne bildeten zu einem der schönsten Islands machten, handelt es sich beim Þingvellir um einen Nationalpark. Dieser hat durch seinen Graben von Þingvellir, bei dem die Kontinentalplatten von Amerika und Eurasien aufeinander treffen, ebenfalls eine ganz besondere Bedeutung.

Am Abend ging es schließlich wieder zurück nach Reykjavík, was für uns allerdings noch nicht das Ende der isländischen Besichtigung hieß. Da unser Flug erst für den Abend des nächsten tages angesetzt war, nahmen wir uns für den Morgen noch die Halbinsel Reykjanes, die südlich von der Hauptstadt und somit außerhalb der Ringstraße liegt, vor.




Ein Freibad auf Island

Aufgrund der begrenzten Zeit fuhren wir zielstrebig zu der Blauen Lagune in Grindavik. Und zum ersten Mal auf unserer Reise konnten wir auch wirklich unsere Badesachen auspacken. Denn der natürliche Salzwassersee hat durch das umliegende Lavafeld eine Wassertemperatur von fast 40 Grad. Das strahlend blaue Wasser des Sees trägt zu dem perfekten Urlaubsfeeling natürlich noch bei. Mittlerweile wurde die Lagune durch umliegende Duschen und Restaurants natürlich sehr touristisch ausgebaut und eher als Freibad umfunktioniert. Doch das störte uns nicht weiter. Solch ein warmes Bad in dem eher kühleren Klima Islands war für uns einfach ein einmaliges Erlebnis.

 10 Tage reichen nicht!

Island ist ein Land voller Kontraste. Aktive Vulkane, Gletscher, unzählige Wasserfälle, heiße Quellen, Wüsten- und Lavalandschaften bilden das abwechslungsreiche und gegensätzliche Landschaftsbild dieses kleinen Landes. Während man sich eben noch mehrere Schichten Klamotten übergezogen hat, um auf dem Gipfel eines Berges nicht zu erfrieren, darf man ein paar Kilometer in einer Quelle nicht baden gehen, weil sie dafür viel zu heiß ist. Ich werde meinen Freunden auf jeden Fall genug erzählen können und kann nur jedem raten, der das schöne Land besuchen will, sich mindestens zwei Wochen dafür Zeit zu nehmen.

 

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